Website Liederkranz Enzweihingen
Erstellt am: 29.07.2018

Mit dem Schlepper auf den Spuren der Enzweihinger und Pulverdinger Geschichte


Vor kurzem trafen sich fast fünfzig Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes Enzweihingen sowie Familienangehörige und Freunde, um die östliche Gemarkung Enzweihingens zwischen der B 10 und Oberriexingen bzw. Markgröningen  kennenzulernen. Der aktive Sänger und frühere Lehrer Kurt Erhardt hatte sich bereit erklärt, diesen ca. 500 Hektar großen Bereich den Teilnehmern nahe zu bringen.

Bei herrlichem Sommerwetter wurden insgesamt sieben Haltepunkte auf der Strecke angefahren. Die Mitfahrer erfuhren dort sehr viele interessante und in Zusammenhänge eingebettete Aspekte zu Enzweihingen und besonders zum Ortsteil Pulverdingen, von denen hier nur eine Auswahl wiedergegeben werden kann.

Auf der Fahrt durch Feld und Flur hörten viele der Mitfahrenden sicherlich zum ersten Mal die Namen vieler Gewanne, wie Gröninger Pfad, Wanne, Birken, Dauseck, Binsenbrünnele, Winterrain, Otterntal,  Siegental u.s.w. Die Gewannbezeichnungen wurden erläutert und interpretiert, weil sie Rückschlüsse auf die Beschaffenheit, die Lage, die Geschichte oder das Vorkommen von Pflanzen und Tieren des bezeichneten Gebietes zulassen.

Der imposante Viadukt über die Enz erweckte natürlich ein ganz besonderes Interesse.

Die Enztalbrücke ist mit 1044 Metern die längste Talbrücke der Schnellbahnstrecke Stuttgart-

Mannheim und ist mit 47,5 Metern knapp höher als der Enzweihinger Kirchturm.

Sie wurde von 1986 bis 1989 gebaut. Am Widerlager der Brücke im Gewann Gröninger Pfad auf der Pulverdinger Seite wurde geschalt, betoniert und die fertigen Teile der Brücke dann in Richtung Marksteintunnel (Leinfelden) auf die zuvor betonierten Stahlbetonpfeiler vorgeschoben (Taktschiebeverfahren).

Ein weiterer Haltepunkt war auf Enzweihinger Gemarkung das Gewann Dauseck gegenüber der früheren Burg Dauseck auf Oberriexinger Gemarkung. Vor dem Krieg gab es im Dauseck, auch Hexenberg genannt, noch mehr als zwei Hektar Weinberge.

Über den Rettungsplatz am Pulverdinger Tunnelmund und das Untere Pulverdinger Holz erreichten wir den Ortsteil Pulverdingen. In einem kurzen chronologischen Aufriss weckte Kurt Erhardt das Interesse für die Geschichte Pulverdingens.

Bereits 1147 wird ein Freiherr Adelbert von Pulverdingen in einer Urkunde des Bischofs von Speyer erwähnt. Die urkundliche Ersterwähnung markiert jedoch nicht den Beginn der Pulverdinger Geschichte, die sehr viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht. Dass sich ein Geschlecht von „Edelfreien“ nach Pulverdingen benannt hat, lässt ebenso wie die überlieferte eigene Markung den Schluss zu, dass der Ort im Hochmittelalter größer war und einen Adelssitz hatte. Ob dieser am heutigen Siedlungsstandort lag oder an einem der zwei bekannten Burgställe in der näheren Umgebung ist ungeklärt. Nördlich des Pulverdinger Holzes befand sich die Burg Dauseck, westlich vom Aichholzhof könnte der überlieferte Flurname „Schlössle“ auf eine mittelalterliche Burg oder, wie römische Funde nahe legen, auf einen großen römischen Gutshof ( 100 Meter im Quadrat ) hinweisen.

1537 war das einst selbstständige Dorf vermutlich noch am Nordrand des Unteren Pulverdinger Holzes in der Nähe der Burg Dauseck gelegen.

Am 6. Dezember 1634 (Dreißigjähriger Krieg) wird Pulverdingen um zwei Uhr morgens vom kaiserlichen Fußvolk eingeäschert. Die Beute, unter anderem 1000 Gulden, wird unter die Soldaten verteilt.

Die Gemarkung wird an Unterriexingen, Grüningen (Markgröningen) und Enzweihingen aufgeteilt.

In der Beschreibung des Oberamts Vaihingen vom Jahr 1856 wird Pulverdingen sehr positiv beschrieben:

 Ein ansehnlicher Weiler mit eigener Markung, sieben sehr fleißige und umsichtige Bauern, fruchtbare Felder ohne kalte Nebel und weniger Frühlingsfröste, gutes Trinkwasser aus eigenen Pumpbrunnen, zwei kleine Weiher und eine eigene Schule mit einem Lehrer.

Nach diesen wissenswerten Ausführungen wären die Sängerinnen und Sänger jetzt gerne auf dem kürzesten Weg, dem früheren „Alten Postweg“ nach Enzweihingen zurück gefahren. Diese nicht mehr vorhandene Straße war sicherlich schon von den Römern gebaut worden. Sie führte schnurgerade vom Hardthof durch den Hardtwald (Oberes Pulverdinger Holz) nach dem Burgstall (Gewann Hörnle, Mühlwiese) in Enzweihingen und von dort bis zur heutigen Enzbrücke am Sportplatz. 

Hier war auch der Ausgangs- und Endpunkt unserer Rundfahrt.

Von dort aus machte sich die Gruppe gut gelaunt auf den Weg zum  nahe gelegenen Garten der Familie Riedmüller, wo bei kühlen Getränken und einem leckeren Büffet dieser schöne und interessante Tag seinen Ausklang fand.

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