Website Liederkranz Enzweihingen
Erstellt am: 10.01.2011
Autor: hps/ble

LKE: Musikbegeisterung pur beim Abschied von WEDI


08.01.2011 Enzweihingen (hps/ble). Vor Monaten das Bundesverdienstkreuz, jetzt am Samstag die Bürgermedaille der Stadt Vaihingen, anschließend in der Stadtkirche minutenlang Applaus beim Abschiedskonzert: Werner Dippon (62) sagte nach 40 Jahren Adieu als Dirigent des Liederkranzes Enzweihingen.

Sänger, Pianist, Dirigent, Juror, Kritiker, Ausbilder und Organisator – Werner Dippon ließ musikalisch „nix naus“, wie Schwaben sagen. Von seinem Einsatz hat nicht nur der Liederkranz profitiert, sondern auch die Chorgemeinschaft Hochdorf-Riet, der Chorverband Enz, der Schwäbische Sängerbund und selbst der Deutsche Chorverband. Ein Gag kam ihm immer gelegen: So hat er vierhändig Klavier gespielt mit dem früheren Ministerpräsidenten Günther Oettinger.

Ein Tausendsassa, der es mit professionellen Musikern aufgenommen hat, wie Liederkranz-Vorsitzender Ralf Dahl lobt. Doch allein von der Musik gelebt hat Dippon nie. Der Mann aus Illingen im Enzkreis hat dafür seine Freizeit geopfert. Denn im Hauptberuf arbeitete er als Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Ludwigsburg. Töne und Zahlen waren gleichermaßen seine Welt.

Jetzt ist Schluss. „Ist wirklich Schluss“, fragt ungläubig Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch. Bei seiner letzten Hauptprobe sei es beinahe wie auf einer Beerdigung gewesen, sagt Dippon. „Zuerst waren alle traurig, dann haben wir zusammen gevespert und dann wurden alle wieder fröhlich.“

Mit 22 Jahren stand er erstmals als Dirigent vor dem Chor des Liederkranzes Enzweihingen. 40 Sängerinnen und Sänger waren es damals, 130 sind es jetzt. Er hat sie alle begeistert mit seinen Projekten und Konzertreisen. Manch gestandener Verbandsfunktionär hatte schon zu kauen an all dem Neuen. Doch von der „Schwarzwald Romantik“ schwärmen sie noch heute.

1988 war’s. „Wir haben selbst die Bollenhüte gemacht“, erinnert sich eine Sängerin. Die Bühne als Gesamtkunstwerk: Schönes für die Ohren, aber auch fürs Auge. „Als der Vorverkauf begann, waren eigentlich die Karten schon weg“, gesteht Dippon.

Später führten die Enzweihinger das Stück bei einer Konzertreise durch die USA im Disneyland nochmals auf. Das Open-Air-Konzert auf Schloss Kaltenstein in Vaihingen mit mehr als 1000 Besuchern, der zweite Platz für den Liederkranz bei einem internationalen Chorwettbewerb in Rom, Benefizveranstaltungen unter anderem für die LKZ-Weihnachtsaktion, die Schwäbische Bauernkantate auf dem Leinfelder Hof, der Projektchor „Rock und Pop“, zusammen mit Gotthilf Fischer die Friedensmesse – die Ideen gingen Dippon nicht aus.

Und dann die Konzertreisen. „Mit weniger als 70 Sängern gingen wir nie fort“, sagt er. Russland, die USA, Südamerika, Südafrika, die Donaustaaten, Australien. Auch das machte den Liederkranz attraktiv. Stark gefordert hat Dippon den Laienchor. Vom Blatt singen sollen andere. Dahl: „Wir mussten fast alles auswendig lernen.“