Website Liederkranz Enzweihingen
Erstellt am: 01.07.2017
Autor: RR

Mit dem Schlepper auf den Spuren der Enzweihinger Geschichte


Ausflug über das Rieter Tal und Bonlanden zum Hasenlauf

Am  Samstag, dem 10. Juni 2017 trafen wir uns mit Familienangehörigen am Sportplatz im Bruckenwasen, um bei schönstem Sommerwetter an einer Schlepperrundfahrt der besonderen Art auf Markung Enzweihingen teilzunehmen. Kurt Erhardt, einer unserer Tenöre und waschechter Enzweihinger, hatte sich zum dritten Mal bereit erklärt, eine solche Fahrt  zu organisieren und zu leiten.

Nach dem Auf- und Einstieg in zwei Anhänger, setzte sich der Schlepper in Richtung Rieter Tal in Bewegung. Kein einziger Platz war frei geblieben, denn es hatte sich herum gesprochen, dass Kurt sehr fundiert über Enzweihingen und dessen Geschichte berichten wird. 

An insgesamt vier Haltepunkten der Strecke erfuhren wir sehr viele interessante Aspekte zu Enzweihingen, von denen hier nur eine Auswahl wiedergegeben werden kann.

Am ersten Haltepunkt im Rieter Tal angekommen, hörten viele der Mitfahrenden sicherlich zum ersten Mal, dass Enzweihingen zur Zeit der beginnenden Industrialisierung aus mehreren Gründen ein idealer Standort für Entwicklung war, und dass das Rieter Tal ab 1840 eine Walk- und Schleifmühle und wenig später auch eine Sägemühle und zwei Zichorienfabriken hatte. Aus Zichorienwurzeln wurde bekanntlich Ersatzkaffee hergestellt. Bevor die Fahrt fortgesetzt wurde, kam die sagenumwobene Erdmannshöhle oberhalb des Rieter Tals und die Entwicklung der Wasserversorgung Enzweihingens zur Sprache.

Mit der Ankunft am Haltepunkt Bonlanden wurde bewusst, dass der Name „Bonlanden“ gutes Land bzw. guter Boden bedeutet. Es gab dort Funde aus der Jungsteinzeit und der Keltenzeit. Aus der Römerzeit stammen ein Brunnen und Reste eines Gutshofes. Im Bonlander Wäldle findet man Alemannengräber. Kurt erwähnte an diesem Haltepunkt innerhalb eines kurzen chronologischen Aufrisses u.a. auch die besondere Bedeutung der Martinskirche aus dem 7. Jahrhundert, sowie die verheerende Wirkung des 30-jährigen Krieges auf Enzweihingen.

Am dritten Streckenstopp waren viele von uns etwas erstaunt, als sie hörten, dass es hier inmitten von Feldern, Wiesen und Wäldchen einst eine Siedlung namens Wintergeislingen gab. Sie entstand auf dem Gelände des oben erwähnten ehemals römischen Gutshofes, der an einer römischen Straße lag und eine Quelle hatte, die noch heute Wasser führt. Später bauten dort Alemannen ihre einfachen Holzhäuser. Die römischen Steinbauten und Wasserleitungen ließen sie zerfallen. Im Zuge eines Klimawandels im 14. Jahrhundert und verheerender Epidemien verschwand Wintergeislingen. 

Im Hasenlauf, der vierten und letzten Station, sollen vor dem Krieg Wilderer ihr Unwesen getrieben haben. Nach dem Krieg gab es dort noch Weinberge.

Nach dem Wiedereintreffen am Sportplatz machten wir uns gut gelaunt auf den Weg zum Garten von Ilona und Hansi, wo Getränke und ein leckeres Buffet warteten.